Einsamkeit ist ein drängendes Problem weltweit, und Deutschland bildet da keine Ausnahme. Viele aktuelle Studien zeigen auf, wie isoliert wir zunehmend voneinander werden. Laut dem Statistischen Bundesamt fühlen sich etwa 12,2 Millionen Menschen ab 10 Jahren regelmäßig einsam, was jeden Sechsten in dieser Altersgruppe betrifft. Besorgniserregend an diesem Trend ist, dass er alle Altersgruppen betrifft – ein Viertel der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren fühlt sich häufig isoliert, und jeder Fünfte über 75 Jahren berichtet von Momenten der Einsamkeit, wobei Menschen über 80 besonders gefährdet sind, sozial isoliert zu werden.
Die Zunahme der Einsamkeit ist nicht nur auf persönlicher Ebene besorgniserregend, sondern hat auch schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit unserer Gesellschaft. Die Studie „Extrem Einsam“, die Teil des vom Bundesfamilienministerium finanzierten Kollekt-Projekts ist, legt nahe, dass Einsamkeit antidemokratische Einstellungen, Populismus, den Glauben an Verschwörungstheorien und autoritäre Tendenzen fördern kann. Außerdem glaubt weniger als die Hälfte der befragten Jugendlichen, dass das demokratische System in Deutschland gut funktioniert, und noch weniger glauben, dass die Politiker den künftigen Herausforderungen gewachsen sind. Diese Studie zeigt einen Zusammenhang auf, der für unser Land und darüber hinaus von großer Bedeutung ist: Je einsamer wir als Gesellschaft sind, desto mehr fühlen wir uns von ihr abgekoppelt, was unsere politische Beteiligung an Aktivitäten wie Wahlen oder Interessenvertretung verringert und uns anfälliger für Extremismus macht. Die Shell-Jugendstudie 2019 hat ergeben, dass etwa ein Drittel der jungen Menschen in ihren Einstellungen zum Rechtspopulismus neigen. Diese Überzeugungen gedeihen in Ermangelung sinnvoller Verbindungen und Beziehungen zu Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund. Ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung dieses besorgniserregenden Trends ist daher die Förderung der aktiven Beteiligung an der Zivilgesellschaft.
(image: file://h0a6adycjocrmm47 caption: Illustration von Stephanie Gillespie)Aus den Daten des Global State of Democracy Indices geht hervor, dass die Beteiligung der Zivilgesellschaft, einschließlich der Konsultation bei der Entscheidungsfindung, für die Demokratie und die lokale Entwicklung von entscheidender Bedeutung ist. Soziale Teilhabe kann auch als Ersatz für fehlende politische Teilhabe dienen, insbesondere für Immigranten, denen das Wahlrecht vorenthalten wird. Gesellschaftliche Teilhabe kann viele Formen annehmen, von der Stimmabgabe bis hin zur Beteiligung an Community-Projekten wie Gärten und gegenseitigen Hilfsaktionen. Entscheidend für die Förderung dieser Beteiligung ist die Schaffung von Räumen, in denen die Bildung von Communities gedeihen kann. Indem wir diese Räume und Gelegenheiten zur Interaktion pflegen, können wir darauf hinarbeiten, Menschen aus allen Gesellschaftsschichten einzubeziehen und letztlich eine gesündere, lebendigere Gesellschaft zu fördern. Dieser Ansatz stärkt nicht nur die Stimmen von Randgruppen, die politisch nicht vertreten sind, sondern fördert auch die soziale Integration und hilft bei der Bekämpfung von Extremismus.
Nach zahllosen Untersuchungen und Studien, die das Problem der Einsamkeit in unserer Gesellschaft und die damit verbundenen Gefahren aufzeigen, kann es sich entmutigend anfühlen, als ob es keine einfachen Lösungen für unsere zunehmend polarisierte und gespaltene Welt gibt. Es gibt jedoch kleine Möglichkeiten, den Schaden, den dieser Trend in unserer Stadt und in Deutschland insgesamt angerichtet hat, schrittweise zu beheben.
Seit unserer Gründung hat GSBTB diese Einsamkeit mit einer einfachen Lösung bekämpft: Gemeinschaft. Von der Open Music School über multikulturelle Sprachcafés bis hin zum Open Art Space ist es das Ziel von GSBTB, dritte Räume zu schaffen, in denen sinnvolle Verbindungen entstehen und gedeihen können. Durch diesen schrittweisen Ansatz wird eine Community gebildet, die letztlich das Problem der Einsamkeit bekämpft, das viele von uns plagt.
Die Aktivitäten von GSBTB mögen zwar einfach erscheinen und basieren größtenteils auf unterhaltsamen und kreativen Aktivitäten mit Menschen, denen man im Alltag vielleicht nicht begegnet, doch bieten diese Zusammenkünfte den Menschen die Möglichkeit, ihre Geschichten auszutauschen, voneinander zu lernen und dauerhafte Bindungen einzugehen. Diese Beziehungen wirken sich nicht nur auf das Leben der Teilnehmer aus, sondern auch auf das Gesamtgefüge der Stadt. Weniger einsame Menschen bedeuten mehr Menschen, die sich für die Förderung von Inklusion und Vielfalt einsetzen, indem sie sich für andere einsetzen, ihre Fähigkeiten verbessern und effektiv kommunizieren. Indem wir die Berliner Community auf diese Weise stärken, wollen wir Stereotypen abbauen und eine integrative Gesellschaft schaffen, in der sich jeder willkommen und verbunden fühlt.
Der Ansatz von GSBTB geht gegen Einsamkeit und soziale Isolation vor, indem er unterstützende Räume schafft und die aktive Teilnahme an unserer Stadt fördert. Jede Veranstaltung ist eine Gelegenheit, unsere Gesellschaft spürbar zu beeinflussen und sich dadurch mehr mit der Stadt selbst und untereinander verbunden zu fühlen. So können wir letztlich dazu beitragen, gesellschaftliche Barrieren abzubauen und echte Beziehungen zu fördern. Darüber hinaus bietet sich in diesen Räumen die seltene Gelegenheit, echte Beziehungen zu Menschen zu knüpfen, mit denen man im Alltag nie zu tun gehabt hätte, was einen dynamischeren Blick auf unsere Gesellschaft ermöglicht. Die Werte der Vielfalt und der Inklusivität, die für unsere Organisation von zentraler Bedeutung sind, sind auch für den sozialen Zusammenhalt, die Verbesserung der Lebensqualität, das Wirtschaftswachstum und letztlich für die Gesundheit unserer Gesellschaft und der Demokratie entscheidend.
Vor allem aber trägt der Ansatz von GSBTB zur Pflege der Gemeinschaft und des sozialen Zusammenhalts dazu bei, dem Aufkommen von rechtsextremen und populistischen Idealen entgegenzuwirken. Indem sie Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund – Migranten, Geflüchtete und Einheimische – in einladenden Räumen zusammenbringt, in denen sinnvolle Beziehungen gedeihen können, fördert die Organisation Verbindungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Einsamkeit und Extremismus haben oft eine gemeinsame Wurzel: einen Mangel an Kommunikation und Community. Indem wir kleine Schritte unternehmen – z. B. mehr Gespräche führen und Freundschaften mit Menschen außerhalb unserer unmittelbaren Umgebung schließen – können wir die Vielfalt der Bedürfnisse in unserer Gesellschaft besser verstehen und im Gegenzug unsere soziale und politische Teilhabe verbessern. Dies ist besonders wichtig für Menschen aus Randgruppen, die nicht in der Lage sind, ihre Bedürfnisse über politische Kanäle zu äußern. Indem wir kultur-, generationen- und sozioökonomieübergreifende Interaktionen fördern, können wir uns besser für die Bedürfnisse aller einsetzen und dazu beitragen, dass sich jeder mit der Gesellschaft um uns herum verbundener fühlt und letztlich eine integrative und einladende Community entsteht. Ob es nun darum geht, in einem Sprachcafé ein Gespräch zu führen oder in der Open Music School zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand zu nehmen – es sind diese kleinen, allmählichen und scheinbar unbedeutenden Handlungen, die dazu beitragen, eine lebendige Community aufzubauen und die Einsamkeitsepidemie zu bekämpfen.
Einsamkeit hat tiefgreifende Auswirkungen auf unser psychisches Wohlbefinden, unsere Demokratie und die Zivilgesellschaft insgesamt. Wir bei GSBTB wollen diese Epidemie durch die Förderung von Community, Verbindung und Inklusivität bekämpfen. Durch die Schaffung von Räumen, in denen jeder mitmachen kann und sich wertgeschätzt fühlt, hilft GSBTB nicht nur dem Einzelnen, die Einsamkeit zu bekämpfen, sondern stärkt auch das Gefüge der Gesellschaft. Es sind die kleinen, einfachen Taten der Kreativität, der Freude und der Freundschaft, mit denen wir diese großen, sich ausbreitenden Probleme bekämpfen können, die sich manchmal überwältigend und erdrückend anfühlen. Jedes Gespräch im Sprachcafé oder jeder Pinsel, der im Open Art Space in die Hand genommen wird, bringt mehr Menschen in unser Leben, schafft ein gesünderes, glücklicheres Berlin und lässt uns alle ein bisschen weniger einsam zurück als gestern.
Geschrieben von Salma Mourad