
Zum Ende des letzten Jahres hat das Language Café eine wunderschöne neue Tradition ins Leben gerufen: die Language Café Performance Night. Dieses Event brachte Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen, um Poesie in ihrer jeweiligen Muttersprache zu teilen – ein Abend voller Emotionen, spielerischer Sprachkunst und tiefgehender Ausdruckskraft. Einige entschieden sich, ihre Werke zu übersetzen und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, während andere die Magie ihrer Worte für sich sprechen ließen.
Ein besonderes Highlight des Abends war die Teilnahme von Dichter*innen des Poetry Project, einer Initiative, die junge Menschen mit Fluchthintergrund dabei unterstützt, ihre Erlebnisse durch Poesie auszudrücken. Durch die Kraft der Verse werden scheinbar Unaussprechliches in einen künstlerischen Dialog verwandelt – und Dinge, die zunächst fremd erscheinen, werden auf einmal vertrauter.
Nun geht der Geist der Language Café Performance Night über den Veranstaltungsraum hinaus und erreicht die Radiowellen von Refuge Worldwide. Der Sender hat es sich zur Aufgabe gemacht, vielfältige Stimmen zu verstärken und jenen eine Plattform zu bieten, die bisher keine Gelegenheit hatten, ihre Geschichten zu erzählen.
Zur Feier dieses neuen Kapitels der Language Café Performance Night freuen wir uns sehr, ein Gedicht unserer Community-Mitglied Alicia Morán auf Spanisch sowie ein Werk von Bahadȋn Akhan aus dem Poetry Project auf Kurdisch zu präsentieren. Ihre Worte fangen die Essenz dieses besonderen Abends ein – ein Ort, an dem Sprache, Emotion und Verbundenheit im Mittelpunkt stehen.
Alicia Morán

Kannst du dich vorstellen?
Ich bin Alicia Morán, ursprünglich aus einer ländlichen Region Spaniens (Extremadura), aber inzwischen eine echte Berlinerin – oder besser gesagt: eine Neuköllnerin.
Ich habe Jura und Wirtschaft studiert, aber nach einer beruflichen Krise wollte ich meine künstlerische Seite entdecken und meinen Leidenschaften folgen. Seitdem bin ich Dichterin, Workshop-Leiterin und Kulturmanagerin.
Warum hast du dich für dieses spezielle Werk entschieden?
Ich wollte etwas präsentieren, das eine unerwartete Reaktion bei den Menschen auslöst. Was fühlt man, wenn man ein Gedicht über einen Klitoris-Sauger hört?
Was inspiriert dich zum Schreiben und Performen?
Ich muss das Leben in Worte verwandeln, um es zu verarbeiten. Das ist für mich eine Form der Bewusstwerdung. Manchmal verstehe ich Dinge erst, wenn ich sie schreibe.
Kannst du deinen kreativen Prozess beschreiben? Wie entwickelst du deine Ideen zu einer Performance?
Ich plane es nicht – es passiert einfach. Es gibt Momente, in denen eine starke Energie mir sagt: Setz dich hin! Das musst du jetzt schreiben!
Schreibst und performst du immer in der gleichen Sprache? Ändert sich dein Prozess je nach Sprache?
Ich schreibe meist in meiner Muttersprache, Spanisch. Aber manchmal auch auf Italienisch, Englisch oder Deutsch. Wenn ich auf Italienisch schreibe, werde ich – warum auch immer – romantischer. Auf Deutsch liebe ich es, mit Wortklängen zu spielen.
Welche kulturellen Themen oder Narrative liegen dir besonders am Herzen?
Wenn ich über kulturelle Themen schreibe, versuche ich zu zeigen, dass wir alle Menschen mit den gleichen Bedürfnissen und Rechten sind.
satisfyer
Ahora es un aparato
de plástico
lo que me remueve
las entrañas
el que me despierta cada día
revolucionándome
bajo las sábanas.
Ahora son unas pilas
las que me regalan
vibración
ahora mi mano
solo mantiene
los espasmos
del succionador
Mi fuente de placer
ahora
llegó a mí
por DHL,
no sabía que una caja
contendría
la alegría
de mis amaneceres.
satisfayer
Now it’s a plastic
device
what stirs
my insides,
the one that wakes me up every day
shaking me
under the sheets.
Now it’s some batteries
that give me
vibration
Now my hand
only holds
the spasms
of the sucker
My source of pleasure
now
came to me
by DHL
I didn´t know that a box
would contain
the joy
of my mornings.
Bahadȋn Akhan

BahadBahadȋn wurde 1996 in der kurdischen Stadt Muş geboren, die offiziell zu Osttürkei gehört. Schon in jungen Jahren liebte er das Lernen sowie das Lesen und Schreiben, und es wurde ihm schnell klar, dass weder er darauf verzichten wollte noch das Lesen und Schreiben ihn loslassen würde. Unter dem türkischen Staat erhielt er jedoch keine Bildung in seiner Muttersprache, sondern musste stattdessen Türkisch lernen.
Als er hörte, dass in Nordkurdistan eine Abteilung für Kurdische Studien eingerichtet worden war, gab er alles auf, um dort studieren zu können, und widmete sich schließlich vollständig dem Lesen und Schreiben auf Kurdisch. Seine Gedichte und Texte wurden in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht und mehrfach ausgezeichnet. Darüber hinaus arbeitete er als Journalist und Redakteur.
Der staatliche Druck und andere Umstände zwangen ihn jedoch, das Land zu verlassen, und er wurde zum Geflüchteten. Seit einem Jahr lebt Bahadȋn nun in Berlin, wo er neue Sprachen lernen und seine literarische Arbeit in der deutschen Hauptstadt fortsetzen möchte.
alaname
gava diwestim ji dîroka tenêtiyê
rûyê te tê xewna min dixemilîne
rûyê te. dexmeya hebûna min e.
bi hêviya ramûsanê aş dibim,
kenê te hingê xema min direvîne,
gava tu xeber didî bi vî zimanî,
bi hunera min a herî newaze.
û hizra te bizrê ruhê min e, lew
ruhê min tim ruhê te dixwaze
belê Ala,
ez ji zemanekî dûrî te, dinivîsim bo te.
wisa dûrî xwe. l’ber taldeya hezargehê.
min niha pişta xwe daye hezê û lê hêwiriye
hizra çêbûna te. û bedew û xwerû,
mîna awêneyeke dilsoz tim li pêş min
berceste dibe bejna te ya nola qalçîçekê.
zanim hê siyên me dirêjî hev nebûne.
derwazeyên zivingên pêxemberhez
hê jî li ber me venebûne. yên bi pîrepind.
ji bîrên zemanî çîqê me nakin demgerr.
li tu gerdûnî paralelî hev nabe xema me.
te bi serê min sond nexwariye. min bi dilê te.
axir zanim têhna te şîrika herherê ye,
fezayê dihewîne çavên te. reş.
dengê te ruhê min dike bedenê.
laş qefes û sandoqa newayê. û mirtivek
fîxana min bi xerçengê ve darda dike.
zanim bîriya te mîna gewhera mirwariyê. ya gerdûnê.
zanim ez ê sibê tetên te bigirim û bigerim.
li warê xwe. yê geş. bi ruhekî asûde. bi dilekî baristan,
bibuhirim ji niha, serefraz wiha, çi xweş.
belê Ala,
min pişta xwe daye surra penabîriyê
lê ez hê jî ew merendera kurdica me.
li kirrên Tukh Manukê aj didim. rehên min li Zagrojan.
li te difikirim hê jî, li Asha û serencama hebûnê
tavilê xema min nola gulşilêra kardoxî. xemrû.
û tu hê jî xemrevîna min î. fenanî newroza kurdî
tu li welatê min î. welatê min tu yî. berz li asîman.
xwîna min we li asoya dûriyê mohr dike dû re.
nizanim ez çima ji xewna dubare dikevim û
li xewna ketinê dubare dibim. nepeniya erjeng.
nizanim min çend kiras guherî seva bibim bavê te?
seva te ev çend sal in lava dikim her ro?
nizanim ez ê kîngê vehesim bi çavên te yên dişibin (e)frînê
nizanim çima tim av didim Asmîna li ber paceyê?
û reşebîya li kewşenê, azadiya li çiyê ya tik û tenê?
çima wiha qayîm kîp bûme li perwazên Kurdistanê?
nizanim çend salî ye çîroka me ya bindestiyê!
a bêşîn. a bêşûn.
aya ev çi çeşn, çi şêwaz e?
kî dê bêje, ev çi hez, ev çi raz e?
çima ruhê min tim ruhê te dixwaze
çima ruhê min dê tim ruhê te dixwaze
To My Unborn Daughter
When I am weary of the story of solitude,
your face jewels my dream.
Your face is the conclusion of my existence.
Hope for a kiss calms me;
When you laugh, you take my troubles away,
when you speak this, our, language,
my most wonderful art.
The thought of you is the seed of my soul,
whence my soul ever longs for yours.
Yes, Ala,
I write to you from a time that is very far from you.
Just as far as I am from myself. From the shadow of millennia.
I have leaned my back on love, lingered in this gesture
the thought of your birth. So beautiful, so natural,
like a true mirror that I always have in front of me.
Your body resembles a snowdrop.
I know that our shadows haven’t yet touched.
The gates of the caverns, which long for the prophets,
have not yet opened themselves to us, are still hung with cobwebs.
No time traveler winks at us out of the wellsprings of time,
parallel worlds have no meaning to us.
You have made no vow on me.
I am the one who has sworn on your heart.
Finally, of this I am aware, your scent forms the heart of the tree of eternity,
your eyes house the universe. Black.
Your voice gives my soul a body.
The body is a cage, instrument of a melody.
A musician threads my lamentations through a pearl oyster.
I know that your yearning makes the pearls sparkle, the universe.
I know that tomorrow I will hold your hands and walk about.
In our own, abundant homeland. With my mind at peace, heart serene,
I pass by now. I, that is, my thoughts of your ‘I’. How beautiful.
The thought of you is the seed of my soul,
whence my soul ever longs for yours.
Yes, Ala,
I have leaned my back on the secret under the shield of longing,
but a Kurdish man of honor I am still.
On the stony mountain of Tukh Manuk1 I wake fresh to life,
my roots in the Zagrojan mountains2.
I am still thinking of you, in the face of Asha3 and the holy book of existence.
Not that my sorrows should end like the crown imperial. Violet. And I still
worry about you. You are like the Kurdish Newroz festival of my homeland.
You are my homeland. High in heaven.
My blood seals you on the far horizon.
I do not know why I have fallen from the recurring dream and
simultaneously fall in dream over and over.
Hidden fears.
I do not know how many changes of clothes I have made to become your father?
For many years I have prayed for you, every day.
I do not know when I will awake with your eyes,
that resemble Efrîn with its olive groves.
Why am I always watering the jasmine on the windowsill?
And the quince standing in a ploughed field?
And why am I watering freedom, alone in the mountains?
Why am I caught beneath the wings of Kurdistan?
How long might it endure, our story of oppression?
Our history, to which no memorial is dedicated.
Ala, what kind of treatment is this?
When will you tell me what great power
is behind it all, what secrets?
Will my soul long for yours without limit?
Die Language Café Performance Nights werden durch die Fernsehlotterie ermöglicht.